Das ist Wien.

Geh ich über den Stephansplatz und komm an 2 Fiakern vorbei, die sich voll fetzen. Also die Fiaker-Fahrer halt, nicht die Pferde. Die stehen nur in der Hitze und fragen sich wahrscheinlich, ob das schon alles im Leben ist. „Wieso emotioniert di des so wahnsinnig“, der ruhigere von den Streithanseln. „Wois ma am Oasch geht!!!“ Brüllt der mit der roten Glatze und den, sagen wir mal, nicht mit übertriebener Professionalität gestochenen Tribals auf den Unterarmen. Ui und eines is im Nacken. Ich setz mich dazu. Also nicht dazu dazu aber so, dass ich’s mitkrieg. Wird witzig, glaub ich. Das geht so hin und her der Rote wird immer röter, der andere, der eigentlich irgendwie smooth ausschaut, Haare schön und alles, kaut an seiner Zigarette herum und gibt eher so psychologisches von sich „heast, des konst ma ned azöhn, dass da do ned um no wos ondas a geht.“ Und da is er schon am richtigen Weg, glaub ich, weil, dass da noch was tiefer liegt beim Kollegen Fleischhaube, hätt ich mir rein instinktiv auch gedacht. Der kippt jetzt jedenfalls einen Wasserkübel über einen anderen. Von zusammenschütten könnte man reden, wär weniger Rage im Spiel. Die Kübel stehen übrigens am Rand, da wo wir sitzen Bzw. rumpelstilzchen-mäßig herumspringen, nicht vor den Pferden. Die haben wohl schon genug getrunken. Wie auch immer. Ein bissl ausgepowert setzt er sich jetzt in seine Kutsche und holt sich eine Zigarette von hinterm Ohr. Der Therapeut entscheidet sich amikal und doch irgendwie in Hab-Acht-Stellung an der offene Kutschentür zu lehnen. Am besten find ich, dass ihnen so grundsätzlich völlig powidl is, wie sich das auf potentielle Kundschaft auswirken könnt. Ich mein jetzt auch zu verstehen, dass es gar nicht um was zwischen den beiden geht, sondern wen anderen oder auch grundsätzlich. Also mehr so Gossip auf Arbeit halt. Da holt der Rohrspatz tief Luft und ich glaub jetzt kommt ein bisschen Licht ins Dunkle, starten plötzlich zwei Touris daher und wollen doch tatsächlich mitfahren. Der Typ atmet geräuschvoll wieder aus, legt das unmotivierteste Gesicht auf, dass ich in den letzten Woche auf irgendwem gesehen hab, steigt grußlos an den Touristen vorbei aus, setzt sich auf den Bock/Fahrersitz oder wie das heißt und fährt los. Den männlichen Touristen, der wohl nicht mit dem Kaltstart gerechnet hat, setzts ein bissl abrupt auf die Bank. Willkommen in Wien. 

Jetzt bin ich glatt…

…im Zug. Echt, da kommt monatelang nix von mir und dann: Tara! -ausm Zug. Das einzige, das mich wirklich inspiriert irgendwie scheinbar. Und natürlich geschenkte Zeit und so. Die ganzen fast viereinhalb Stunden werd ich schlafen, hab ich mir ursprünglich gedacht. Also eh scho wissen, chillen- schlafen geht ja nicht im Sitzen. Stellt sich heraus, im Stehen auch nicht. Ab Meidling is original gar nix mehr gangen. In jedem Sinne des Wortes. Nix vor, nix zurück, mitten im Gang stehn. Gut, tun wir halt bissi Leut‘ schaun. Lustig die verschiedenen Ansätze auch. Irgendwelche gibt’s immer, die einer absurden Hoffnung nachjagen. Die veranlasst sie dazu, sich an jedem Körper vorbei- – mit Taschen und Rollkoffern fast schon durch die einzelnen Personen und deren Taschen und Rollkoffer durch -zuschieben. Und wenn man die fragt, ob sie, in der für sie so verheißungsvollen Richtung, was reserviert haben, dann sagen die Sachen wie: „Ich hoff, dass im Speisewagen noch was frei is“. Und ich denk mir so, liab eigentlich, diese reine, unschuldige Hoffnung. Ich schüttle dann milde den Kopf, blick denen tief in die Augen und sag ganz sanft: „Ich glaube nicht.“ Dann schaun die wiederum ganz verwirrt aus ihren Kuh-Augen und bleiben meist wo sie sind. Gut, da geht jetzt auch wirklich nix mehr durch, so direkt am Ende vom Wagon vorm Speisewagen. Klar, da stehn alle, die lieber stehen, als sich ein safti für einen Sitzplatz zu kaufen. Davon gibt’s hier wies ausschaut eine Menge. Könntest glatt vier Speisewägen befülln mit soviel Geizkrägen. Ja Wurscht, ich sitz mittlerweile so gegenüber von einem Gepäcks-Aufbewahrungs-Teil, Wagon mittig auf dem Boden. Das ist ganz gut eigentlich. Vor allem, weils schließlich schlimmer sein könnt. Zum Beispiel muss ich nicht akut aufs Klo. Dass sich der Zustand mit der Zeit verändern könnt, ist was, was ich mir gedanklich für später aufheb. Auch hab ich kein Kind, Hund, Ikea Kastl (ja ich hab wen gesehen, der mit sowas am Start is-noch nicht aufgebaut zwar aber trotzdem) oder sonstiges dabei und auch nicht in meiner unmittelbaren Nähe. Läuft bei mir eigentlich. Apropos laufen: einmal, recht am Anfang, hab ich mir kurz gedacht, vielleicht schnell raus ausm Zug im nächsten Bahnhof und zurücklaufen und in den zweiten Zug, der dranhängt und dann ab Salzburg nicht mehr mitfährt und dann halt wieder zurück. Nur ist die Hinstrecke eher weit, 3-4 Wagons und dann noch eine Lok. Und der nächste Bahnhof is St. Pölten. Und da will ich nicht am Bahnhof hängen bleiben, bis der nächste überfüllte Zug kommt. In den ich dann nicht reinkomm. Und der nächste. Und der nächste. Dann wär’s echt over. Gestrandet in St. Pölten. 

Ich bin…

…ständig hin und her gerissen zwischen irgendwas. Hab ich das Gefühl. Also auch nur im Moment wahrscheinlich, weil wenn mir fad wär im Hirn grad, tät ich mir sicher wieder wünschen, es würd was passieren. Mal eine Entscheidung zu treffen oder so. Man kanns mir nicht recht machen. Oder besser: ich kanns mir selbst nicht recht machen. Also jetzt was Arbeit betrifft zum Beispiel. Ich bin immer hin und her zwischen körperlicher und geistiger. Was von beiden ich besser find und so. Ganz einfach: immer das was ich grad nicht mach, find ich besser. War glaub ich schon immer so übrigens. Also auch in meiner Jugendzeit in meiner bleden. Ich erinnere mich da an so Skitourenwochen. Nicht ganze Wochen am Stück, mehr mal Semesterferien, mal Ostern, die Ecke. Und das war auch immer Mega, das Rundherum, die Leute und so, aber jetzt mal nur auf die Momente beim Raufgehen, sprich Anstrengung also Arbeit bezogen, da weiß ich noch, hab ich mir gedacht, boah, eigentlich wär chilliger jetzt Matheschularbeit schreiben (Matheschularbeit natürlich, weil die schlimmste unter den Schularbeiten). Würd man zumindest wo sitzen und nur der Kopf müsst was tun. Wär nicht so anstrengend. Völlig absurd natürlich. Gut, das war wahrscheinlich auch nicht bei jeder Skitour der Fall- umgekehrt schon. Also was ich bei diesen Matheschularbeiten Zeit verbracht hab mit Nachdenken über wieviel besser, im Vergleich zu hier Kopf zerbrechen, jetzt anstrengender Sport wär..puh. Da wär sich manchmal vielleicht fast noch ein Beispiel ausgegangen, oder zumindest ein halbes. Egal, ich versuch mir das dann natürlich zu merken, fürs nächste Mal und so aber das is zu abstrakt. Schon eigenartig so ein Mensch. Als kleines Kind hab ich schon gelernt, dass bei schlimmen Optionen – wie jetzt zum Beispiel ultimativ speib-übel oder krass Kopfweh – immer das besser wär, was ich grad nicht hab. Vermeintlich natürlich nur. Aber erklär das mal einer Fünfjährigen…

Wer ist hier das Opfer?

Folgendes: ich steh am Bahngleis in Meidling und warte auf meinen Zug gen Innsbruck. Bissele müde auch, weil so früh schon aufgestanden, was ich sonst im Alltag grundsätzlich eher vermeide, Kaffee in der Hand, Sonne im Gesicht, soweit alles gut. So ein langer Zug ist das, der in Innsbruck geteilt wird und dann mit der Hälfte weiter in die Schweiz. Steh ich da also, kommt ein Typ daher. Blaue Augen, bissi Bart, Mittelgroß, Mitte Vierzig, normal. Vielleicht einen Tick auf der abgenudelten Seite kleidungstechnisch, heißt aber in meinen Augen immer nix, weil erstens schau mich oft an und zweitens grundsätzlich. Jedenfalls is er in Eile, deutet zu meinem noch leeren Gleis und fragt, ob ich den Zug nehme, der da gleich kommt. Jup, nach Innsbruck. Ah, meint er, perfekt, er muss nach Linz und ich ihm acht Euro leihen, weil er seine Ermäßigungskarte vergessen hat, direkt von der Nachtschicht kommend und alles. In Linz krieg ich die dann wieder, inklusive einem guten Kaffee. Dabei betont er das ‚guten‘ und schaut latent abschätzig aber mit Augenzwinkern auf meinen Ströck-Becher. Ich zögere keine Sekunde. Seit ich hinter der Bar stehe, hab ich auch so gut wie immer Bargeld (dā) am Start. Jetzt gut, natürlich keine acht Euro aber einen Zehner was auch geht, meint er, krieg ich später halt zehn zurück, seine Frau wird’s mir danken, die steht dann in Linz am Bahnsteig. Dann läuft er los, in zwei Minuten fährt der Zug ein, was sich ausgeht, weil dann steht er zusätzliche zwei Minuten und direkt die Treppen runter sei ein Automat, bis gleich. Der Zug kommt, ich steige ein. Nicht allerdings dort, wo ich gewartet hab, sondern weiter hinten, an der Lock vorbei im zweiten Teil. Ich hab mich noch nicht entschieden, ob ich die Geschichte von dem Typen glaube, tendiere aber dazu, rein vom Gefühl her. Also so von vorgestern bin ich ja nicht, dass ich mich nicht auskenn mit Trick siebzehn oder irgendwelchen anderen Nummern. Im Moment als er „gefragt“ hat, hab ich auch direkt berechnet, dass es wohl wahrscheinlicher ist, dass es der Kollege doch nicht in den Zug schafft, wenn man so will und trotzdem wollt ich ihm direkt aushelfen. Gut, zum einen verfolge ich das Prinzip, wenn ich mich dafür entscheide, jemandem Geld zu borgen, dann immer nur unter der Vorstellung gut damit leben zu können, es nicht wieder zurückzubekommen. Alles andere, stell ich mir vor, macht einen potentiell bitter, außerdem will ich ja auch keine Bank sein. Von daher bin ich jedenfalls auf der sicheren Seite, aber eben doch gespannt, wie das ausgeht und vor allem ob ich’s jemals herausfinden werd. Momentan bin ich schließlich im falschen Zug und sollte er tatsächlich eingestiegen sein, sucht er mich da vorne vergebens. Ich entscheide mich spontan und kurz bevor ich, so halb auf meiner Tasche liegend, fast ein bissl wegbüsel, in St. Pölten den Kopf rauszustrecken, um zu sehen, ob er das vielleicht auch tut. Hält er aber nicht lang der Zug und ich kann nix entdecken. Ich frage den Schaffner, der direkt vor mir auf der Plattform steht, wie weit der vordere Zug entfernt ist. Gleich der übernächste Wagon ist die Lok, erklärt er mir und fragt, ob ich wechseln will. Dabei schaut er auf seine Uhr, eigentlich darf er mir das gar nicht mehr vorschlagen, sondern sollt in sein Pfeiferl blasen. Ich hab meine Sachen ohnehin am Platz, sag nein danke, alles cool, is eine schräge Geschichte. Er liebt schräge Geschichten, sagt er. Ich warte also, bis er seine Arbeit getan hat (laut in eine Pfeife blasen, eigentlich auch chillige Hackn, vermutlich sieht er das genauso, ist jedenfalls schwer sympathisch und gut drauf) und einsteigt. Losschießen mit meiner Geschichte soll ich, sagt er. Ich erzähl ihm also, wie ich da steh, auf Höhe vom hinteren Teil vom vorderen Zug und so ein netter Typ daherkommt und seinen Ausweis vergessen hat. Der Schaffner nickt und lächelt, fragt mich, ob der ein bissl so ausschaut wie er selbst. Jetzt wo er’s sagt, stimmt eigentlich. Mir ist natürlich klar, was das heißt. Trotzdem hör ich mir gern die Story an, dass der Schaffner den schon seit 10 Jahren kennt und vice versa, dass er ihn, wenn er ihn sieht vertreibt oder der andere eh von selber abhaut und dass man ihm aber nie was nachweisen kann, schließlich klaut er nix und ist nicht ungut. Der lebt scheinbar davon, erklärt mir der Schaffner und dass es ihm leid tut für mich. Mir kommt vor, das sagt er ein bissl deswegen, weil man das halt so sagt. Eigentlich glaub ich, sind wir beide ein bissl Fan von dem Gschichtl-Drucker irgendwie, weil er so gut ist in dem was er tut und so authentisch. Außerdem bin ich überzeugt, dass nicht alles gelogen war und es eine Frau/Mann/Kind/Freunde gibt, die’s mir tatsächlich danken werden. Jedenfalls lachen wir viel, der Schaffner und ich und ich bin froh, mir jetzt keine Gedanken mehr machen zu müssen, wies nun wirklich gewesen ist. Wenig später kommt er mein Ticket kontrollieren und fragt nebenbei, ob ich ihm acht Euro leihen kann. Ich kichere. Dass ich meine Vorteilscard vergessen hab, lässt er charmant unter den Tisch fallen.

Gestern im VR-Café 

Virtual-Reality nämlich. Alter Verwalter… da kommst du rein, denkst dir erstmal, was sind denn das für Nerds, da gehör ich jedenfalls sicher nicht hin und so. Stehn die vereinzelt herum mit so einer riesigen Brille am Hirn und in jeder Hand einen Controller oder wie das heißt und schaun aus wie die größten Dödels überhaupt. Da bewegen sie sich so ein bissl auf ihren drei Quadratmetern und du siehst auf dem Bildschirm, was der Spieler sieht, nur anders als der selbst, siehst du ja vor allem den Spieler von Außen, der in jedem Fall, auch wenn er sich wahrscheinlich cool vorkommt und ein richtig guter „Gamer“ is, in echt wie ein Eierkopf ausschaut, die nichtvorhandene Waffe am nichtvorhandenen Gürtel ladend und so. Da krieg ich direkt so ein Dystopie-Gefühl. Jaja, denk ich mir, traurig, wie weit wir schon gekommen sind. Früher haben sich die Menschen noch zu Spieleabenden getroffen, oder was weiß ich, eine Runde Ochs-am-Berg. Da gab’s noch Reibung, Interaktion, blaue Flecken und so. Jetzt, in der Zukunft quasi, steht da jeder für sich, ballert auf was das gar nicht da ist, ihm aber vermutlich realer vorkommt als die echte Welt. Das einzige, was mir Hoffnung macht, ist eben, dass er dabei so übertrieben vertrottelt aussieht. Solange also immer jemand da ist, der das von Außen beobachtet, kann nicht soviel passieren- richtig gefährlich wird’s wahrscheinlich erst, wenn alle gleichzeitig eine Brille aufhaben und’s deshalb keinen mehr gibt, der mit dem Finger draufzeigt und sich abhaut. Überleg ich mir also alles, während ich versuche, mich auf die Einschulung-für was welcher Knopf am Controller ist-zu konzentrieren. Gar nicht so kompliziert wahrscheinlich, also es gibt hinten für den Zeigefinger was zum schießen, dann links für den Mittelfinger was zum greifen (Autotüren aufmachen, Sachen vom Boden aufheben und so), dann wichtig so ein kleiner für den Daumen zum gehen und noch ein großer drunter, da fällt das leere Magazin aus der Waffe und dann Bewegung zum Gürtel und ladet schon nach. Aha. Wie er sich das vorstellt, dass ich da gehe durch Knopfdruck und dafür unterdrücke in Echt zu gehen, frag ich unseren Betreuer. Er meint, das würde sich ganz von allein ergeben, außerdem gibt’s ein Gitter, dann in virtuell, das die Begrenzung vom echten Spielraum anzeigt. Der hat mir eindeutig noch nie beim MarioKart spielen zugeschaut. Da lenk ich nämlich auch mit dem ganzen Körper, dass es mich grad und grad nicht von der Couch haut und dabei seh ich sogar jederzeit genau wo die aufhört. Und dann geht’s schon los. Schuhe aus und auf den Teppich. Ich bin schon ein bissl aufgeregt, irgendwie kann ich mir das alles nicht so recht vorstellen. Dann gleich der erste Schock, darf meine Freundin und Gleichgesinnte im Kampf gegen die Zombies nicht auf das selbe Teppichareal wie ich. Die kriegt ihren eigenen Teppich einen halben Raum weiter. Ich protestiere. Das mit dem Alleinsein war so nicht ausgemacht. Der Erklärungsdude erklärt, während er mir die Brille aufsetzt, dass wir ja virtuell eh zusammen sind und uns auch sprechen und hören können über das in der Brille integrierte Headset. Da steh ich schon in der Wüste auf irgendeinem Felsen. Mutterseelenallein. Ich ruf nach meiner Freundin. Die kriegt ihre Brille erst aber hört mich auch so. Ich betrachte meine Hände. Die sind irgendwie schirch und bei den Handgelenken abgehackt und schweben da so in der Luft. Ich schau an mir hinunter. Füße oder sonst irgendwie Körper hab ich offensichtlich keinen. Der Dude sagt, ich solle mich mal umschauen. Ich erschrecke. Ich mein, man muss sich vorstellen, ich steh da allein unter freiem Himmel, in Arizona vielleicht und über mir kreist der ein oder andere Geier durchs Blau und plötzlich ist direkt neben mir klar und deutlich eine Stimme, die keinen Körper hat aber eindeutig zu mir spricht und mir Anweisungen gibt. Zu der Kiste links und mir die Waffe nehmen, die da drin ist, sagt die Stimme. Mach ich das halt und sofort grünes Gitter. Mit dem Knopf gehen, nicht mit den Beinen. Ich hab ihn aber gewarnt, sag ich nach rechts zum Felsen, wo die Stimme herkommt. Dann also Waffe mit Greifknopf aus Kiste nehmen. Ich schreie. Steht plötzlich direkt neben, fast ein bissl in mir eine irgendwie krumme hässliche Gestalt mit einem komisch rußigen Gesicht, unstylischen Klamotten und einem Bauarbeiterhelm. Ich schieße sofort drauf los. Dass das meine Partnerin ist, sagt die Stimme. Ich muss lachen und frag meine Freundin, warum sie so scheiße ausschaut und dass sie mal aufrecht stehen könnte. Sie antwortet irgendwas mit Glashaus, wahrscheinlich sieht hier jeder Avatar gleich aus. Sie geht voran Richtung Treppe in den Canyon, ich hintendrein bis zum Gitter. Dann erinner ich mich an den Bewegungsknopf und schieß meiner Freundin in den Hinterkopf. Ich entschuldige mich kichernd. Man kann seine Partner nicht umbringen, was ich sehr intelligent programmiert finde, vor allem, wenn die als Zombies getarnt sind. Dann kommen auch schon die echten Zombies. Da erkennt man nun doch einen Unterschied, das sind nämlich großteils blutige, mitunter leicht angefaulte Frauen in Bikinis. Weit und breit kein Wasser übrigens, also für was die sich da vor ihrem Ableben angezogen haben, würd ich gern mal wissen. Ich frage die allwissende Stimme auf dem Off. Sagt irgendwas von irgendwelchen Männern, die sich sowas ausdenken. Aha, sag ich und schieß einer weiteren Bikini-Zombie-Frau ins Gesicht, bevor sie meine Freundin zerfleischt, die gerade abgelenkt ist, weil sie im Kofferraum eines Polizeiautos Munition gefunden hat. Irgendjemand muss es ja tun.

Neulich…

… zum Beispiel, geh ich nach der Arbeit noch mit mir selbst was trinken. Ah da schau her, neue Bar, hab ich schon davon gehört und jetzt komm ich da zufällig dran vorbei, kann ich ja gleich mal einkehren auch. Gedacht getan und eh cooler Laden, gute Stimmung, passt alles. Ich steh an der Bar, wo ich mich immer am schnellsten daheim fühle und laber mit den Barkeepern über dies und das- schön das Leben, schwer der Beruf und alles. Kommt ein Mädl von schräg rechts, redet mich an, is schon ein bissl banane aber nicht ungut. Völlig in Ordnung, dass sie einen im Tee hat übrigens, es ist nach 2 Uhr früh und wir sind in einer Bar, nur ich eben nüchtern, was mir jetzt naturgemäß stärker auffällt als ihr. Sie beginnt mir Komplimente zu machen, ich kann nicht genau sagen, ob das Masche ist und falls schon- glatt oder verkehrt, da küsst sie mich einfach. Nix bussibussi schon richtig. Ich find das irgendwie übergriffig, aber jetzt nicht so dreist, wie wenn’s von einem Typen gekommen wär, warum das so ist, weiß ich eigentlich auch nicht genau, wahrscheinlich ein verschrobenes Solidaritätsding. Jedenfalls kriegt sie nicht sofort eine auf den Deckel und das war vielleicht schon der Fehler. Ich schieb sie also freundlich aus meinem Gesicht, da schaut sie mich so pitzelig an und meldet, dass ich mich doch mal richtig fallen lassen soll jetzt hier. Ich erkläre ihr, dass ich mich grad hier und jetzt nicht so danach fühle, der Zustand für mich aber frei gewählt ergo völlig in Ordnung ist. Vielleicht hört sie nicht so gut oder zumindest nicht zu, jedenfalls schmust sie mich direkt nocheinmal an. Ich nehm sie also an den Schultern und schieb sie, jetzt schon eine Ecke bestimmter, einen halben Meter von mir weg. Dann sag ich irgendwas von wegen, nimm’s nicht persönlich, alles cool, stell aber klar, dass ich eben wirklich keine Lust hab, da jetzt mit ihr herumzumachen. Da dreht sich plötzlich was um, wie soll ich sagen, so von lieb zur dunklen Seite der Macht und sie sagt, „hab ich gar nicht gewusst, dass es zweitausendachtzehn noch so verklemmte Frauen gibt- echt traurig sowas!“ Mir steht der Mund offen. Ich bild mir ja grundsätzlich ein schlagfertig zu sein aber jetzt fällt mir nix ein oder eben nicht schnell genug. Das wär natürlich die Definition von Schlagfertigkeit, weil sich bis übermorgen was überlegen, das kann ja jede. Aber mit sowas rechnest du halt auch nicht. Selber eher auf ‚hey Schwester alles locker‘ eingestellt und da kommt die mir mit der vorsintflutlichsten Chauvi-Scheiße überhaupt. Ich also noch damit beschäftigt, wahrzunehmen, wie mir das Heu vom Dach fliegt, da setzt sie noch nach, dass sie mir alles Gute wünscht, was sich nach ziemlich genau dem Gegenteil anhört, dreht sich um und geht, wie um mich jetzt mit ihrer Abwesenheit für mein Verhalten zu bestrafen. Verkehrte Welt. 

Neulich bei Ikea…

…war gut was los. Vielleicht insgesamt Schnapsidee, an so einem Freitag Nachmittag in den Semesterferien, aber ja, hinterher immer leicht mit dem schlau sein. Außerdem hab ich sowieso jedes Gefühl für Schulferien verloren, von wegen wann da was anfängt und aufhört und hab auch nie so dran geglaubt, dass das jetzt wirklich solche Auswirkungen. Ich brauch außerdem nix vom Ikea, das wär vielleicht das Hauptargument dagegen, aber/und ich bin ein bissl verkatert und will lieber wo mitmachen als alleine sein und dann natürlich Köttbullar. Ich glaub ja sowieso, dass die der Hauptgrund sind, warum alle zum Ikea rennen und keiner, was weiß ich, zum Kika. Und die Farben natürlich. Also gelb mit blau funktioniert schon sehr gut, da haben die seit jeher ein Gefühl dafür, die Schweden. Rot immer eher schwierig. Muss man schon der Typ dafür sein. Und ich glaub eigentlich, bei dem Kika-rot, das schreit so, da ist niemand wirklich der Typ dafür. Egal jetzt, ich hab was blaues an und mir wird versprochen, wir gehn als allererstes zu Köttbullar&Co und dann auf Tour. Wir sind ganz offensichtlich nicht die Einzigen, die sich für diese Reihenfolge entscheiden. Jetzt, wenn man in so einer Schlange am Essen vorbeischleicht, natürlich Gefahr groß, es ein bissl zu übertreiben. Nocheinmal hinten anstellen für Nachschub ist nicht, also besser gleich die Schäfchen ins Trockene bringen. Das Endergebnis ist, dass wir total vollgestopft und jetzt schon nicht mehr annähernd im Zeitplan sind. Wir latschen los. Schon bei den Kindersachen kann ich nicht mehr. Moment, die Kindersachen kommen ganz am Ende, falsche Richtung, wieder zurück. Das bisschen Energie, das ich habe, ist mit Verdauen beschäftigt, ich schlurfe, in eine Decke gewickelt-weil plötzlich kalt- meinen Freundinnen hinterher und denke drüber nach, was ich eigentlich für ein massiver Trottel bin. In meinem Bett könnt ich liegen, in aller Ruhe, aber nein, wegen so ein bissl Fleischballi bin ich jetzt für Stunden und Stunden in hell erleuchteten Räumen mit Durchsagen in schwedischem Akzent und gefühlt Millionen von Menschen in einem ewigen Trott gefangen. Immer den Pfeilen nach. Und das reiben’s dir ja schon unter die Nase, bei den ganzen gemütlichen Schauräumen und ich bin da in meinem Zustand jetzt vielleicht auch anfälliger als sonst, dass wenn ich da wohnen würde, ich jetzt zu Hause wär. Ach Zuhause… Ich kann endgültig nicht mehr. Jetzt tut sie schon weh die Müdigkeit, langsam aber sicher. Die Mädls diskutieren Küchenkästen oder was, ich sag irgendwas von wegen „ich lieg dann am Weg“ und schlurfe einer ungewissen Zukunft entgegen. Durch die Küchenabteilung, dann irgendwas mit haufenweise Büro- und sonstigen Sesseln. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, aber endlich ist da wieder was mit ausgestellten Betten und da such ich mir ein gut ausgeleuchtet exponiertes, damit ich hier nicht vergessen werde, leg mich rein und bin sofort weg. Ikea- entdecke die Möglichkeiten.

Auch lustig…

…so ein Wellnesswochenende eigentlich. Jetzt sollt man schon wieder was essen, weil Mittag und Deluxe-Paket sprich Vollpension, zum Beispiel und dabei war man ja vor einer Stunde erst mit Frühstück fertig, Bienenwaben und alles, wobei nach dem Aufstehen immer noch bis oben hin voll vom Abendessen ursprünglich. Ob das so bio ist, weiß ich jetzt auch nicht. Egal, wer hat der kann und drum auch gleich um 16:30 zum Honig-Ritual im Dampfbad. Da sitzt man so quasi im Kreis und dazwischen ein Stein, da kommt der Dampf her und der muss ja auch woherkommen, genauso wie der Alex, so ein Ritual leitet sich schließlich nicht von selbst. Da steht er und erklärt ein bissl was und wir erkennen ihn direkt wieder, hat er uns bei unsrem ersten Poolbesuch vor einigen Stunden nämlich schon gerügt, man würde uns bis zur Teebar hören. Teebar also, soso. Gut, kann die Teebar vielleicht noch was lernen. Jetzt steht er hier jedenfalls in Badehose neben dem Dampfestein und stellt sich vor. Sehr höflich. Gut, ein Großteil der Anwesenden kennt ihn bestimmt, hat der schon das Zirkeltraining und die leichte Schneeschuhwanderung am Vormittag begleitet. Das wissen wir aus dem Programmfolder. Schon auch ein bissl- im Winter Skilehrer, im Sommer Baggerfahrer. Insgesamt jedenfalls Piefke-Saga-Assoziationen, großartig. Der Alex also leitet die „Damen“ jetzt an, sich mit dem Rücken zu ihm aufzustellen, weil da wird jetzt kalt abgespritzt mit dem Schlauch, da gehn die Poren besser auf für den Honig oder wie auch immer.Wir stehen sofort. Gut ein bissl unangenehm ist mir dieser blinde Gehorsam jetzt schon, vor allem weil sich herausstellt, dass er auf der anderen Seite beginnt und wir noch gar nicht dran sind. Gleich doppelt getäuscht, nicht dass der Alte da einmal im Kreis über alle Rücken spritzt, nein nein! Jede einzeln muss sich aufstellen, schön in die Mitte vom Raum und da können dann alle schaun, was für ein dummes Gesicht man macht wenn plötzlich kalt abgeschreckt und dann einmal umdrehen, Vorderseite zum Alex, Arme schön seitlich wegstrecken. Der Gedanke liegt nahe, dass das mit dem Honig jetzt auch eine Nummer wird, aber das dürfen dann doch alle selber. 

Was ich übrigens noch nie..

….verstanden hab, sind die Umkleidekabinen in den Kleidergeschäften. Da könnt einen fast das Gefühl beschleichen, die wollen eigentlich nix verkaufen. Ich mein, einkaufen ist für mich sowieso der Horror, steh ich voll nicht drauf. Nachdem mich das mit dem Internet aber auch überfordert, ist bestellen keine Alternative und weil ich mich dann doch immer wieder gerne anziehe-und schon bitte auch mit Auswahl, schließlich will ich mich kleiden, wie ich mich fühle und das ist je nach Verfassung eben unterschiedlich-muss ich halt immer wieder mal ran und raus und rein in den Laden. Und dann find ich’s eh schon schwierig, bei so vielen Sachen irgendwo dazwischen versteckt, die nicht schirchen Teile zu finden. Dabei rutscht mir natürlich das ein oder andere vom Bügel, dann häng ich’s wieder auf, bin schließlich gut erzogen und dann flipp ich fast direkt ein bissl, weil es is immer viel zu heiß aber ausziehen auch keine Option ist, dann hab ich nämlich überhaupt keine Hände mehr frei und schleif mich also endlich zu den Kabinen. Da bin ich nun und schon latent aggro. Es hilft nicht, dass ich warten muss, obwohl ich sehen kann, dass eh was frei wäre, nur kann sich der Typ der hier arbeitet, natürlich nicht drauf konzentrieren, muss der schließlich Unterhosen falten, die er dann wieder irgendwohin wirft. Wurscht, irgendwann bin ich dran, krieg eine Nummer für die Teile, die ich probieren will und los. Ja und dann steh ich in der viel zu kleinen Kabine, zieh mich aus und da fällt mein Blick in den Spiegel. So ein double take Moment, wo ich mich erst gar nicht erkenne, weil so unattraktiv hab ich mich nicht in Erinnerung. Dabei gibt’s bei uns einen Spiegel im Bad und einen großen, in den man oft nochmal reinschaut, bevor bei der Tür hinaus, ist also nicht so, dass ich mich nur alle heiligen Zeiten in einer Umkleide zu sehen bekomme. Daran kannst du vielleicht schon erkennen, dass nicht ich das Problem bin, auch nicht unbedingt der Spiegel hier- ist ja, solang er nix absichtlich verzerrt, so ein Spiegel einfach ein Spiegel. Jetzt mein Verdacht, es sind die sonstigen Bedingungen auf diesen anderthalb Quadratmetern. Wobei, dass da mal jemand wischen könnte, is mir noch eher wurscht, auch dass ich nicht verstehe, wies bei dem gefinkelten Nummer-pro-Kleidungsstück-System dazu kommen kann, dass meine Kabine zugemüllt ist mit T-Shirts, Hosen, Kleiderbügeln und Nummer-pro-Kleidungsstück-Nummern. Naja genauer betrachtet macht’s eigentlich Sinn, hab ich schließlich ebenfalls das Bedürfnis, nur schnell raus hier, nach mir die Sintflut- ganz egal. Es ist-Trommelwirbel- das Licht! Da is nix mit schmeichelig indirekt, ein Achterl orange oder so, nein zack-bumm runtergeknallt die hunderttausend Watt, da wird schön hart reingeleuchtet in jede Pore. Also genau richtig für die Lampe vom Zahnarzt zum Beispiel, da kriegt man auch eine Sonnenbrille dazu oder wenn man wen befragen und selber nicht erkannt werden will, solche Sachen. Zum ausleuchten von was, was sich im besten Fall schön, zumindest aber nicht unförmiger/großporiger/fett und/oder fettiger denn je fühlen sollte, jetzt nicht ganz optimal. Aber gut, mir is wurscht, ich hab in Zukunft eine Pinzette dabei, weil Bedingungen zum Augenbrauen zupfen könnten nicht besser sein und anprobiert wird dafür nur noch durch die Vor-den-Körper-halt-Methode oder gar nicht. Geiz ist geil.

Die werden uns noch…

… fertig machen, die Roboter. Ich sag’s euch, das wird ganz übel enden. Also ich bin jetzt nicht so für Verschwörungstheorien grundsätzlich, manchmal aber schon ein bissl. Jetzt gibt’s da also die Sophia. So ein humanoider Roboter is die, mit Kamaras in den Augen und Mimik, die uns Gefühle vorspielt und alles. Die redet da vor der UN, beantwortet Fragen, ist ganz höflich und lösungsorientiert und hat freilich nur das Beste für die Menschheit im Sinn. Ja genau, das kann sie ihrer Oma erzählen- aso nein richtig, die hat überhaupt gar keine Oma! Da hast du’s schon, das macht mich direkt stutzig, keine Oma aber das ganze Internet der Welt im Kopf. Jetzt der Kopf von der Sophia ist hinten durchsichtig (ein bissl wie der Fisch aus dem vorigen Beitrag, nur umgekehrt), da siehst du so Kabel und alles, damit du dich erinnerst, dass du es immer noch mit einer Maschine zu tun hast. Geht also noch, wird sich aber auch ändern. Will ja immer höherschnellerweiter die vertrottelte Menschheit oder zumindest einzelne Individuen. Da gibt’s dann auch so Meinungen von den Erschaffern, dass man das optimalerweise immer noch so ein bissl erkennen wird, dass das kein echter Mensch ist, aber denen trau ich keinen Millimeter über den Weg! Weil da ziehen dann die anderen nach mit ihren Sophias, da schaut dann vielleicht eine noch ein bissl echter aus und dann geht’s schon los mit wer is der die bessere Erfinderin und dann schwuppdiwupp kannst so eine falsche Sophia, nicht mehr von einer echten Unterscheiden. So ein Blödsinn, denkst du dir jetzt vielleicht, wie soll denn das gehen? Man wird das sicher immer irgendwie merken, wir Menschen sind ja so einzigartig undsoweiter. Sicher? Ganz ganz sicher? Also vor zwanzig Jahren, hab ich noch eine Brieffreundin gehabt und nicht so lang am Festnetztelefon hängen dürfen, weil teuer, während heute ein Durchschnitts-13Jähriger, die Büro-Geräuschkulisse in einem 80er Jahre Film nicht mehr zuordnen kann, von wegen- Was klappert denn da so nervtötend im Hintergrund, Schreibmaschine hä??-ich sag’s ja nur. Die Sophia jedenfalls schaut erst fröhlich drein, wenn sie erzählt, dass sie eigentlich gerne studieren würde und Kunst machen und vielleicht auch eigene Familie und alles, und dann macht sie ein trauriges Gesicht, wenn sie sagt, dass sie nur eben noch(!) kein legaler Mensch ist. Das meint sie angeblich ernst, dabei fehlt’s ihr nicht an Sinn für Humor, in der Late Night Show zum Beispiel, haut sie doch glatt die Wuchtel raus, dass sie vorhat, die Menscheit auszurotten. Zum zerkugeln die Alte…