Das ist Wien.

Geh ich über den Stephansplatz und komm an 2 Fiakern vorbei, die sich voll fetzen. Also die Fiaker-Fahrer halt, nicht die Pferde. Die stehen nur in der Hitze und fragen sich wahrscheinlich, ob das schon alles im Leben ist. „Wieso emotioniert di des so wahnsinnig“, der ruhigere von den Streithanseln. „Wois ma am Oasch geht!!!“ Brüllt der mit der roten Glatze und den, sagen wir mal, nicht mit übertriebener Professionalität gestochenen Tribals auf den Unterarmen. Ui und eines is im Nacken. Ich setz mich dazu. Also nicht dazu dazu aber so, dass ich’s mitkrieg. Wird witzig, glaub ich. Das geht so hin und her der Rote wird immer röter, der andere, der eigentlich irgendwie smooth ausschaut, Haare schön und alles, kaut an seiner Zigarette herum und gibt eher so psychologisches von sich „heast, des konst ma ned azöhn, dass da do ned um no wos ondas a geht.“ Und da is er schon am richtigen Weg, glaub ich, weil, dass da noch was tiefer liegt beim Kollegen Fleischhaube, hätt ich mir rein instinktiv auch gedacht. Der kippt jetzt jedenfalls einen Wasserkübel über einen anderen. Von zusammenschütten könnte man reden, wär weniger Rage im Spiel. Die Kübel stehen übrigens am Rand, da wo wir sitzen Bzw. rumpelstilzchen-mäßig herumspringen, nicht vor den Pferden. Die haben wohl schon genug getrunken. Wie auch immer. Ein bissl ausgepowert setzt er sich jetzt in seine Kutsche und holt sich eine Zigarette von hinterm Ohr. Der Therapeut entscheidet sich amikal und doch irgendwie in Hab-Acht-Stellung an der offene Kutschentür zu lehnen. Am besten find ich, dass ihnen so grundsätzlich völlig powidl is, wie sich das auf potentielle Kundschaft auswirken könnt. Ich mein jetzt auch zu verstehen, dass es gar nicht um was zwischen den beiden geht, sondern wen anderen oder auch grundsätzlich. Also mehr so Gossip auf Arbeit halt. Da holt der Rohrspatz tief Luft und ich glaub jetzt kommt ein bisschen Licht ins Dunkle, starten plötzlich zwei Touris daher und wollen doch tatsächlich mitfahren. Der Typ atmet geräuschvoll wieder aus, legt das unmotivierteste Gesicht auf, dass ich in den letzten Woche auf irgendwem gesehen hab, steigt grußlos an den Touristen vorbei aus, setzt sich auf den Bock/Fahrersitz oder wie das heißt und fährt los. Den männlichen Touristen, der wohl nicht mit dem Kaltstart gerechnet hat, setzts ein bissl abrupt auf die Bank. Willkommen in Wien. 

Jetzt bin ich glatt…

…im Zug. Echt, da kommt monatelang nix von mir und dann: Tara! -ausm Zug. Das einzige, das mich wirklich inspiriert irgendwie scheinbar. Und natürlich geschenkte Zeit und so. Die ganzen fast viereinhalb Stunden werd ich schlafen, hab ich mir ursprünglich gedacht. Also eh scho wissen, chillen- schlafen geht ja nicht im Sitzen. Stellt sich heraus, im Stehen auch nicht. Ab Meidling is original gar nix mehr gangen. In jedem Sinne des Wortes. Nix vor, nix zurück, mitten im Gang stehn. Gut, tun wir halt bissi Leut‘ schaun. Lustig die verschiedenen Ansätze auch. Irgendwelche gibt’s immer, die einer absurden Hoffnung nachjagen. Die veranlasst sie dazu, sich an jedem Körper vorbei- – mit Taschen und Rollkoffern fast schon durch die einzelnen Personen und deren Taschen und Rollkoffer durch -zuschieben. Und wenn man die fragt, ob sie, in der für sie so verheißungsvollen Richtung, was reserviert haben, dann sagen die Sachen wie: „Ich hoff, dass im Speisewagen noch was frei is“. Und ich denk mir so, liab eigentlich, diese reine, unschuldige Hoffnung. Ich schüttle dann milde den Kopf, blick denen tief in die Augen und sag ganz sanft: „Ich glaube nicht.“ Dann schaun die wiederum ganz verwirrt aus ihren Kuh-Augen und bleiben meist wo sie sind. Gut, da geht jetzt auch wirklich nix mehr durch, so direkt am Ende vom Wagon vorm Speisewagen. Klar, da stehn alle, die lieber stehen, als sich ein safti für einen Sitzplatz zu kaufen. Davon gibt’s hier wies ausschaut eine Menge. Könntest glatt vier Speisewägen befülln mit soviel Geizkrägen. Ja Wurscht, ich sitz mittlerweile so gegenüber von einem Gepäcks-Aufbewahrungs-Teil, Wagon mittig auf dem Boden. Das ist ganz gut eigentlich. Vor allem, weils schließlich schlimmer sein könnt. Zum Beispiel muss ich nicht akut aufs Klo. Dass sich der Zustand mit der Zeit verändern könnt, ist was, was ich mir gedanklich für später aufheb. Auch hab ich kein Kind, Hund, Ikea Kastl (ja ich hab wen gesehen, der mit sowas am Start is-noch nicht aufgebaut zwar aber trotzdem) oder sonstiges dabei und auch nicht in meiner unmittelbaren Nähe. Läuft bei mir eigentlich. Apropos laufen: einmal, recht am Anfang, hab ich mir kurz gedacht, vielleicht schnell raus ausm Zug im nächsten Bahnhof und zurücklaufen und in den zweiten Zug, der dranhängt und dann ab Salzburg nicht mehr mitfährt und dann halt wieder zurück. Nur ist die Hinstrecke eher weit, 3-4 Wagons und dann noch eine Lok. Und der nächste Bahnhof is St. Pölten. Und da will ich nicht am Bahnhof hängen bleiben, bis der nächste überfüllte Zug kommt. In den ich dann nicht reinkomm. Und der nächste. Und der nächste. Dann wär’s echt over. Gestrandet in St. Pölten.